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Nach müde kommt doof

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Es ist Samstagmorgen, 08:45 Uhr, und ich bin schon hellwach. Seit sage und schreibe zwei Stunden. Bin, wie jeden Morgen, ohne Probleme fröhlich aus dem Bett gehüpft, habe mein Bett ausgeschüttelt, Kaffee gekocht und federleicht singend und pfeifend durch meine Wohnung getanzt… Und dann bin ich aufgewacht. Ich bin nämlich eine richtige Eule! Für mich ist es der blanke Horror, um 06:00 Uhr aufzustehen und gut gelaunt rumzulaufen. Denn vor dem ersten Kaffee sollte man mich nicht ansprechen, das wäre für meine Mitmenschen ziemlich lebensgefährlich. Aber wenn ich dann einmal einen Schluck getrunken habe, werde ich wieder zum Menschen. Zu der quirligen, nervtötenden Juke – Box, die ich jeden Tag auf’s Neue verkörpere.
Und das ist kein Scherz. In meinem Kopf ist nämlich eine Jukebox integriert, die zu jeder Situation den passenden Sound oder das passende Lied abspielt. Und damit ich mich nicht alleine damit quäle, singe ich halt gerne mal mit. Ich habe sogar schon ein paar Mal vergessen mein Radio auszuschalten, als ich zur Schule gefahren bin, weil ich dache, die Musik sei nur in meinem Kopf. Okay, jetzt halten mich wirklich alle für verrückt, aber ich kann euch sagen: Ich höre lieber Musik als Stimmen!
Und wenn das Leben ein Musical wäre, hätte ich super Chancen auf die Hauptrolle, da ich ja schon immer übe. Aber für ein Leben im Mittelpunkt bin ich glaube ich nicht geboren. In meiner Schullaufbahn war ich eher so das stille Mädchen, das nur in den Pausen aufgetaut ist und mümmelnd in der Ecke saß. Nein, Spaß. So ein kleiner Clown war ich immer schon, meistens nur leider unabsichtig… Habe bestimmt schon mal erwähnt, dass ich ein kleines bisschen tollpatschig bin. Treppen rauf- und runterfallen, stolpern, Dinge hinschmeißen und über meine eigenen Füße stolpern gehört für mich zum Alltag. Immer wenn mir etwas passiert, bin ich gerade in meiner plüschigen, ausgepolsterten Welt und starre dort kleine Pinguine an, die winkend an mir vorbeiwatscheln – und darum kann ich leider in der „realen Welt“ nicht mehr aufpassen und begebe mich in doofe Situationen. Des Öfteren verletze ich mich dabei dann, sodass ich eine Zeit lang nicht mehr geröntgt werden durfte, weil ich in dem Jahr schon zu oft den Strahlen ausgesetzt wurde 😀 Und während ich in meiner eigenen Welt abhänge, sagen Lehrer gerne mal wichtige Sachen oder nehmen mich dran, was ich dann mit einem schönen und herzhaften „Häää?!“ quittiere. Eine kleine Anekdote aus meiner Schullaufbahn: Letzte Geschichtsstunde für immer und unser Lehrer wollte gerne eine kleine Review auf seine Lehrmethoden haben. In einer Stunde haben wir den sogenannten „Gallery Walk“ praktiziert; da hängen die einzelnen Gruppen ihre Plakate im Flur auf und alle laufen dann, wie im Museum, an den Plakaten vorbei, um sich über die verschiedenen Themen zu informieren. So, in der letzten Stunde war ich grad in eine Diskussion mit mir selber vertieft, als die Stimme einer Mitschülerin zu mir drang: „Ja, den Museumsgang zum Beispiel fand ich echt gut.“ Da bei mir in dem Moment nur Museum hängen geblieben ist, frage ich – leise wie immer – wann wir denn im Museum gewesen sein. Die Folge: Stille, dann herzhaftes Lachen aus den hinteren Reihen und ein anschließendes Facepalm meines Lehrers. Ich meine, habt ihr schon mal ein Facepalm von eurem Lehrer kassiert?! Bei mir war es das zweite. Das erste war im gleichen Fach, beim gleichen Lehrer. Auf einer Folie standen die Anzahl der Gefallenen verschiedener Arbeitsgruppen des ersten (?) Weltkrieges und eine „Arbeitsgruppe“ war ein Rentier (für Leute, die ebensowenig französisch sprechen wie ich: „Senioren“). Nun, es kam, wie es kommen musste; als gerade Stille einrat rief ich erstaunt: „Oooooh, ein Reeeeeentier!“ (Also das Tier, verschriftlicht kommt das leider nicht so gut rüber :D) und das Facepalm meines Lehrers wurde durch sein „Es war klar, dass das von Dir kommt!“ begleitet.
Naja, genug! Ich bin mal wieder abgeschweift. Wollte eigentlich nur erzählen, dass ich so früh wach bin, weil mein Freund hier ist und mich geweckt habt. Welch ernüchterndes Ende, nicht wahr? Heute muss ich mich mal um meinen Vertrag kümmern, brauche ein neues Handy (meins lag schon mal eine Nacht lang im Schnee und ist gelegentlich aus dem dritten Stock auf Fliesen im ersten Stock geflogen – aber Nein, vergesslich und tollpatschig gehören natürlich nicht zu meinen Eigenschaften) und dann gehe ich mit meinem Freund essen und das Wochenende genießen und vielleicht mal unseren Urlaub planen.
Wünsche euch allen ein tolles Wochenende!

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